Literatur:

Gemeinsam mit einer bekannten österreichischen Schriftstellerin arbeitet der Wiener Berufsdetektiv Ing. Andreas H. Nehyba derzeit an einem Buch über das Detektivwesen.

Für den Bestseller „Seitensprung“ von Gabriele Hasmann und Pamela Obermaier, Verlag Goldegg wurde Ing. Andreas H. Nehyba interviewt, woraus nachfolgende Textpassagen in diesem Buch entstanden:

Berufsdetektiv Andreas H. Nehyba, Inhaber der Firma Xtrace, weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei seinen Diensten um eine kostspielige Angelegenheit handelt, weshalb man sich gut überlegen sollte, worum es geht: „Handelt es sich wirklich um eine Gerichtsverhandlung, hat man mit der von mir erbrachten Beweislage freilich eine sinnvolle Investition getätigt. Wenn man jedoch nur Gewissheit haben möchte, weil man im Handy des Partners eine SMS wie „Die Nacht mit dir war wunderbar!“ gefunden hat – obwohl die Sachlage in so einem Fall ohnehin klar ist – dann sollte man sich das Geld sparen und lieber in einen Urlaub investieren, in dem man sich von dieser Enttäuschung erholen kann.“ Denn ein Detektiv kostet pro Stunde im Einsatz um die 80 Euro, wobei stets zwei Leute eingesetzt werden, damit das Zielobjekt nicht verpasst wird, weil es beispielsweise just in jenem Moment aus der Haustür kommt, wo ein einzelner Beschatter gerade mal kurz austreten gegangen ist, wodurch eine Verfolgung unmöglich würde. Somit kommt man dann, gemeinsam mit dem Kilometergeld, der Organisationspauschale und sämtlichen anderen Kosten, die noch anfallen, auf etwa 200 Euro pro Arbeitsstunde durch das Detektivbüro und ist somit schnell bei einem notwendigen Budget von 3.000 bis 5.000 Euro für den Gesamteinsatz, bis man am Ziel ist und griffige Beweise für die Untreue des Ehepartners in der Hand hält. In Relation zur Gewissheit und dem Ende des emotionalen Leidens sowie dem Sieg vor Gericht ist diese Summe allerdings durchaus für viele Menschen eine, die man gerne locker macht, erzählt der junge Mann, der langsam immer weniger an die Treue glaubt, da er ständig in die Abgründe der menschlichen Seele schaut, wie er seine Arbeit beschreibt: „Man erlebt Dinge in meinem Beruf, die sind wirklich, wirklich schlimm. Ich hatte mal eine Nordeuropäerin als Auftraggeberin, die wissen wollte, ob ihr Angetrauter, mit dem sie seit zwei Jahrzehnten verheiratet war, auf all seinen Auslandaufenthalten, die er aufgrund seines Jobs zu absolvieren hatte, auch treu gewesen ist. Ich bin bei meinen Recherchen und Observationen draufgekommen, dass der gute Mann seit 14 Jahren eine Nebenbeziehung mit einer Niederösterreicherin hatte, die ihrerseits in der Annahme lebte, er habe sich längst von seiner Frau scheiden lassen und fliege nur noch der Kinder wegen ab und an in den hohen Norden. Abgesehen von diesem zweiten Leben, das sich dieser Kerl aufgebaut hatte, hüpfte er außerdem noch mit diversen anderen Frauen auf anderen Erdteilen regelmäßig in die Kiste. Und das Erstaunliche war: Diese Zweitfrau aus Österreich war eine unglaublich attraktive Dame, während er selbst wirklich nicht besonders gut aussah. Ich hab mich damals ernsthaft verwundert gefragt, warum die Frauen so auf ihn fliegen.“

Üblicherweise beginnt ein Auftrag in einer Detektei mit Recherchen über die zu überführende Person und dann startet auch schon die Observation: Meist wird die Zielperson am Weg von der Arbeit weg verfolgt und man beobachtet, wo sie sich hinbegibt – da ist die Wiederholung, also eine gewisse Kontinuität im Verhalten, sehr wichtig, denn ein einmaliger Besuch in der Wohnung einer gegengeschlechtlichen Person kann noch irgendwie anders erklärt werden als mit Untreue, aber wenn das immer wieder passiert und/oder es Übernachtungen gibt, ist es schnell einmal eine Glaubwürdigkeitssache. Aus Jux und Tollerei kann man jemanden per Detektiv übrigens nicht überprüfen lassen: Es muss ein berechtigtes Interesse an der Sachlage bestehen, das der Auftragnehmer auch überprüfen muss, bevor er mit der Observation beginnt. Andreas Nehyba erklärt außerdem, wie wichtig die absolute Verschwiegenheit des Auftraggebers ist, denn auch hier gibt es durchaus Fälle, die man so kaum vermuten würde: „Da hat mich einmal eine Frau engagiert, die ziemlich sicher war, von ihrem Mann betrogen zu werden. Sie schien sehr verzweifelt zu sein und wollte, dass ich herausfinde, ob ihr Gefühl den Tatsachen entspräche – wie bei den meisten hatte sie trotz zahlreicher Indizien eine gewisse Resthoffnung, es könne sich alles als Irrtum entpuppen. Ich forderte sie dazu auf, niemandem – also wirklich niemandem – von ihrem Verdacht zu erzählen, und schon gar niemanden in die Sachlage, dass sie nun mich engagiert hatte, einzuweihen. Und sie sagte mir, sie habe es lediglich ihrer besten Freundin erzählt, der sie aber wirklich alles anvertrauen könne, ich sollte mir dahingehend keine Sorgen machen. Tja, leider war es aber nun einmal genau diese beste Freundin, mit der ihr Mann sie betrogen hat! Man kann sich eben leider nie irgendwo ganz sicher sein!“

Nehyba, seines Zeichens auch Landesleiter von Wien, was den österreichischen Dachverband der Detektive betrifft, plaudert weiter aus dem Nähkästchen: „Es tut mir leid, wenn ich die Damenwelt enttäuschen muss, aber die Untreue hält sich unter den Geschlechtern absolut die Waage: 50 Prozent meiner Kunden lassen eine Frau überprüfen und 50 Prozent einen Mann, und da nahezu 100 Prozent der Zielpersonen tatsächlich fremd gehen und von mir dabei überführt werden, bleiben Frauen und Männer einander in diesem Bereich nichts schuldig“.

Andreas: „Wenn der Liebste lügt, um der Misere zu entkommen“

Andreas, der Berufsdetektiv auf Auslandsmission
Daniela, die selbst untreue Auftraggeberin
Manfred, der Schwiegervater und gleichzeitig Zielperson

Andreas, Berufsdetektiv und Treuetester in einer Person, sitzt im Flugzeug von Griechenland zurück nach Österreich und lässt die vergangene Woche, die ihm eine Mischung aus harter Arbeit, irritierenden Momenten und nebenbei aber auch etwas Urlaub eingebracht hat, gedanklich Revue passieren. Erstmals in seiner Karriere hat er, der stets zu 100 Prozent professionell in seiner Arbeit vorgeht, den Drang verspürt, seiner Zielperson etwas über seine Observation durch ihn zu stecken, da ihm dieser 60-jährige Mann so viel sympathischer gewesen ist, als die überaus anstrengende Auftraggeberin, die ihn der Untreue überführen wollte. Überhaupt war die ganze Sache, wenn er so zurücküberlegt, von Beginn an eine wirklich skurrile Geschichte …

Vor wenigen Wochen hat ihn Daniela angerufen und um ein persönliches Treffen gebeten. Als er Tage später dieser Mittdreißigerin gegenüber saß, merkte er schon, dass es sich bei dieser Frau um ein echtes Nervenbündel handelte – allerdings mit eigenem Dreck am Stecken, denn ihre Lage war wirklich filmreif und erinnerte unweigerlich an den tragischen Hollywood-Film „Verhängnis“ mit Juliette Binoche und Jeremy Irons: Daniela offenbarte Andreas, sie habe ein Verhältnis mit dem Vater ihres Ehemanns! Der Detektiv, der schon viel gesehen und gehört hat, musste schlucken – vor allem durfte er seine Meinung, die er sich binnen Sekunden durch diese abstruse Schilderung von seinem Gegenüber bilden konnte, nicht laut äußern –, und war nun umso gespannter, wie der Auftrag mit der Tatsache zusammen passen würde, dass sie es war, die ihn engagierte. Denn müsste nicht eigentlich ihr armer betrogener Angetrauter vor ihm sitzen und ihn auffordern, Beweise dafür zu finden, dass sein Erzeuger und seine eigene Gattin ihm das Schlimmste antaten, was er sich vorstellen konnte? Doch Daniela ging schnell weiter im Text und kam zum Punkt: Ihr Liebhaber, der 60-jährige Manfred, hatte eine Reise nach Griechenland gebucht, und bevor sie entscheiden wollte, ob sie ihren Mann für dessen Vater verlassen würde, um mit diesem eine ernsthafte Beziehung zu beginnen, musste sie wissen, ob dieser ihr auch treu war. Andreas schüttelte es ein wenig ob der Absurdität der Gesamtsituation, aber er hörte aufmerksam zu, was die fremdgehende Dame alles in Erfahrung gebracht hatte, nämlich Hotelname sowie Flugzeiten. Die Aufgabe des Detektivs sollte sein, zeitgleich dorthin zu fliegen, um in Erfahrung zu bringen, wie ernst dieser Manfred es mit seiner Schwiegertochter meinte.

So kam es, dass Andreas kurze Zeit später an dem Strand einer griechischen Insel stand, mit den bloßen Füßen im Sand, um sich unauffällig auf die Suche nach seiner Zielperson zu machen. Daniela hatte ihm freilich ein Foto ihres heimlichen Geliebten gezeigt und dem Observator außerdem geschildert, dass Manfred sehr offen und kommunikativ sei. Und so war es dann auch: Es reichte, sich neben diesen vom ersten Moment an äußerst sympathischen Mann auf eine Liege zu platzieren und ein lockeres Urlaubsgespräch alá „Wo kommen Sie her, seit wann sind Sie schon da und gefällt es Ihnen hier bis jetzt?“ zu beginnen – schon befand sich der Detektiv in einer Situation mit der Zielperson, die es ihm erlaubte, einiges über den Mann mit der pikanten Sex-Affäre in Erfahrung zu bringen, was er von Daniela entweder genauso oder aber auch total gegenteilig gehört hatte: Manfred erzählte, er sei allein auf Urlaub gefahren, um hier ein wenig Abstand zu bekommen und seine Gedanken ordnen zu können – freilich, dachte sich Andreas, wenn man den eigenen Sohn mit dessen Frau hintergeht, kann man schon mal eine kleine Auszeit gebrauchen! Das hielt ihn aber nicht davon ab, Manfred tatsächlich immer liebenswerter und freundlicher zu finden, während der ihm erzählte, er sei Witwer und seit seine Gattin vor einigen Jahren gestorben war, Single. Aha – von einer Freundin erwähnte er also rein gar nichts. Aber wie hätte er das auch ausdrücken sollen, in der verzwickten Situation, in der er sich mit ihr befand. Ganz so ernst schien es ihm aber jedenfalls nicht mit seiner Affäre zu sein, notierte Andreas gedanklich. Von Daniela darauf vorbereitet, dass Manfred ein leidenschaftlicher Mountainbiker war, kam es nicht ganz so überraschend, als dieser Andreas schließlich einlud, ihn tags darauf auf eine Radtour zu begleiten. Und schon hatte sich eine Möglichkeit ergeben, dem zu Observierenden locker einen ganzen Tag lang auf die Finger schauen zu können – auch wenn Andreas etwas ungut zumute war, weil er diesen gewinnenden Mann menschlich so hintergehen musste. Aber was sollte er machen: Job ist Job!

Am nächsten Morgen traf er sich also mit dem braungebrannten Manfred, der für sein Alter wirklich beneidenswert fit wirkte. Der Tag brachte keinerlei Erkenntnisse über eine Liebschaft hier in Griechenland, aber auch über keine zu Hause in Österreich, nur einen echt schlimmen Muskelkater, da der Detektiv kaum mit seiner Zielperson mithalten hatte können. Der Ausflug mit Manfred, über den Andreas sich immer mehr wunderte, wie dieser seinem Sohn eine Affäre mit dessen Frau antun konnte, so aufrichtig wie er wirkte, war nett und angenehm. So und ähnlich ging es die restliche Woche auch weiter: Andreas wurde neben Manfred langsam fit wie ein Turnschuh, verbrachte erholsame Stunden am Strand, die er fast wie einen Urlaub genießen hätte können, wäre nicht seine Auftraggeberin zu Hause mehrmals täglich auf die Idee gekommen, ihren Detektiv im Außendienst anzurufen, um nachzufragen, ob der denn schon eine Frau in der Nähe ihres Herzblatts gesichtet hätte. Dadurch kam es immer wieder zu etwas brenzligen Situationen für Andreas, da er oftmals nur ins Handy flüstern konnte: „Sie, er liegt gleich neben mir, ich kann jetzt nicht telefonieren!“ Eigentlich hatte er Daniela genau erklärt, er werde sich melden, sobald etwas Verdächtiges vor sich gehen würde, aber Kontrolle schien diese Frau definitiv dem Vertrauen vorzuziehen. Eine Dame gab es übrigens tatsächlich, die mehrfach am Strand auftauchte und sich angeregt mit Manfred unterhielt, aber es existierte kein einziges Indiz, das auf intimen Kontakt hätte schließen lassen. Bei Manfred handelte es sich einfach wirklich nur um einen offenen Typ, der sowohl zu Männern als auch zu Frauen ausgesprochen freundlich war. Immer öfter verspürte Andreas in diesen Tagen den Impuls, Manfred zu warnen und darüber aufzuklären, warum er sich vom ersten Tag seines „Urlaubs“ in dessen Nähe aufhielt. Doch letzten Endes blieb er seinem Berufsethos treu und handelte gegen den eigenen persönlichen Wunsch.

Und jetzt, hier im Flugzeug, wo er sich wenige Reihen von seiner Zielperson, mit der er sich richtiggehend angefreundet hat, entfernt befindet, fragt er sich, wie die Sache zwischen Daniela und Manfred ausgehen wird. Er kann seiner Auftraggeberin jedenfalls nur gute Neuigkeiten verkünden: Ihr Geliebter hat im Urlaub mit keiner anderen Frau auch nur geflirtet, scheint also ein potentiell treuer Partner zu sein. Aber wie wird er es wohl mit seinem Gewissen vereinbaren können, dem eigenen Nachwuchs die Angetraute auszuspannen?

Nach der Landung gibt es noch eine herzliche Verabschiedung und dann sitzt Andreas auch schon im Taxi nach Hause und bestätigt mittels SMS den bereits vor der Reise vereinbarten Termin mit Daniela in zwei Tagen. Doch zu diesem Treffen in seinem Wiener Büro kommt es nicht mehr. Bereits am nächsten Nachmittag ruft ihn diese nämlich mit einer sehr überraschenden Information an: „Sie haben mir doch bei jedem Telefonat gesagt, sie hätten keine Frau in seiner Nähe gesehen? Wie kann es dann sein, dass Manfred mit mir Schluss macht, weil er sich dort in einer andere verliebt hat?“ fragt Daniela aufgebracht. Im ersten Moment ist Andreas verwirrt, doch dann dämmert es ihm. Und da er den Auftrag erfolgreich zu Ende gebracht hat, kann er ihr gegenüber nun auch ganz ehrlich seine höchstpersönliche Meinung äußern: „Daniela, wenn Ihr Liebhaber eine neue Bekanntschaft erfinden muss und beschließt, Sie bewusst anzulügen, obwohl er Sie gar nicht betrogen hat, nur um Ihren Klauen zu entkommen, dann sagt das doch wohl schon so einiges aus und bringt Ihnen die gewünschte Antwort, wenn auch in anderer Form! Wenn Sie sich bei ihm derart lästig, kontrollierend und einengend verhalten, wie Sie es während dieser Woche bei mir gemacht haben, dann ist es ehrlich gesagt kein Wunder, wenn er Sie nicht aushält – nicht böse sein!“

Was aus der Ehe mit Danielas Mann, also Manfreds Sohn wird, kann Andreas nicht mehr mitverfolgen. Aber eigentlich hätte dieser arme Narr auch einen Wink mit dem Zaunpfahl verdient, denkt Andreas bei sich, während er sich auf den Weg zu seinem nächsten Klienten macht.

Interview August 2015 mit Ing. Andreas H. Nehyba 

BETRIEBSSPIONAGE & COMPLIANCE

  • Welcher Teilbereich ist bei Ihnen der wirtschaftlich gewichtigere: Compliance/Vorbeugung oder „es ist wieder etwas passiert“?

Bis jetzt war der Fokus am aufklärenden Aspekt. Die Arbeitsgemeinschaft mit der Unternehmensberaterin Frau Mag. Nina Schwab für den präventiven Bereich besteht seit Anfang 2015. Die zur Zertifizierung von Compliance Management Systemen maßgebliche und internationale ISO-Norm, an der wir uns sehr stark orientieren, ist ebenfalls erst seit Beginn 2015 etabliert.

  • Ich lese auf der Webseite, dass es auch für KMU von Interesse ist – gibt es Branchen, die sich besonders häufig an Sie wenden?

Fehlverhalten wie Untreue, Veruntreuung, Korruption, Betrug, Diebstahl, Weitergabe von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen, ungerechtfertigter Krankenstand, Schwarzarbeit oder Verstöße gegen die Konkurrenzklausel können jedes Unternehmen in jeder Branche betreffen. Dementsprechend breit gefächert über alle möglichen Branchen, Geschäftsfelder und auch Unternehmensgrößen war und ist unsere Klientel. Unser Angebot richtet sich schwerpunktmäßig an KMU`s. Große Unternehmen und Konzerne verfügen über eigene Sicherheitsexperten und/oder sogenannte Compliance-Officer, oder auch eigene Compliance-Abteilungen. Aus unserer Sicht ist in diesen sensiblen Bereichen jedoch die Betrachtung durch firmenexterne Experten Ziel führender. Dies liegt in der Weisungsfreiheit und einer nicht vorhandenen „Betriebsblindheit“ begründet.

  • Steigt die Bedeutung des Themas Betriebsspionage an sich?

Aufgrund technischer und sozialer Entwicklungen wird es der „Gegenseite“ leichter gemacht an Informationen zu kommen, wodurch generell eine Gefährdung durch Betriebsspionage zunehmen muss. Man bedenke zum Beispiel, dass heutzutage viele MitarbeiterInnen über Smartphones und/oder Tablets verfügen. Diese Geräte erleichtern zwar das Arbeiten und den Umgang mit Kunden, bergen aber auch potentielle Angriffspunkte für die Gegenseite. Oder auch die mehr und mehr inflationäre Nutzung von social media wie Facebook ist ein Gefahrenherd für einen nicht gewünschten Informationsabfluss – Stichwort „Social Engineering“. Zitieren möchte ich in diesem Zusammenhang den renommierten amerikanischen Sicherheitsexperten Bob Griffin, Sicherheitschef einer der größten Sicherheitsfirmen: „Es gibt die beunruhigende Tendenz, dass hochkomplexe Angriffswerkzeuge, die bisher nur von Staaten finanziert werden konnten, mittlerweile auch in relativ leicht zugänglichen Internetforen auftauchen. Die zunehmende Vernetzung von Objekten und Maschinen schafft zudem völlig neue Risikoszenarien.“

  • Gibt es Zahlen bzgl Schadenssumme pro Jahr? Ich habe nur die Zahl „einige Milliarden“ aus dem Jahr 2009 gefunden. Gibt es in Wien noch den Gedanken des „Kavaliersdelikt“ – wann spricht man von Spionage, wann von Unachtsamkeit oder ähnlichem?

Sogar eine ältere Statistik aus dem Jahr 2007 spricht bereits von einem jährlichen Schaden von über 15 Milliarden EURO für österreichische Unternehmen. Eine exakte Evaluierung ist aufgrund der Dunkelziffer nicht möglich. Es liegt aber auf der Hand, dass die Zahlen nicht zurückgegangen sein können. Von Betriebs- oder Industriespionage spricht man, wenn ein (konkurrierendes) privates Unternehmen Spionageaktivitäten gegen ein anderes betreibt. Wirtschaftsspionage ist die staatlich gelenkte oder gestützte, von fremden Nachrichtendiensten ausgehende Ausforschung von Wirtschaftsunternehmen und Betrieben. Bei Spionage gibt es einen externen „Auftraggeber“, den ich vorab als Gegenseite bezeichnet habe – meistens ein konkurrierendes Unternehmen oder auch ein ehemaliger Mitarbeiter. Es wird versucht Informationen hinsichtlich Preiskalkulationen, Produktentwicklungen, Produktionstechnologie, Know-How, kurzfristige Ziele und Entwicklungen oder langfristige Unternehmensstrategien zu gewinnen. Manchmal wird auch auf Basis unlauter gewonnener Informationen versucht, den Konkurrenzbetrieb zu sabotieren, um selbst einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen oder einen Image-Verlust beim konkurrierenden Unternehmen herbeizuführen. Natürlich kann auch durch Unachtsamkeit (Stichwort „Clean-Desk-Policy“) und/oder Unwissenheit von MitarbeiterInnen ein großer wirtschaftlicher Schaden entstehen.

  • In einem deutschen Artikel habe ich gelesen, dass die „Täter“ meistens intern zu finden sind – können Sie das bestätigen?

Die ausführenden Täter sind in den meisten Fällen intern zu finden. Wie bereits erwähnt, gibt es aber in der Regel externe Auftraggeber.

  • Gibt es überhaupt eine absolute Sicherheit – wie sicher kann ein Firmenchef sein?

„Absolute Sicherheit“ kann es niemals geben. Es gibt eine Gegenseite – die setzt  sich zumeist zusammen aus einem konkurrierenden Unternehmen und aktueller bzw. ehemaliger Mitarbeiter. Kein Firmenchef ist davor gefeit, nicht zumindest eine Person im Unternehmen zu haben, die entweder unachtsam und dadurch „benutzbar“ (Stichwort „Social Engneering“) ist oder die über eine zumindest latent vorhandene kriminelle Energie verfügt. Wir bauen nun gemeinsam mit dem Unternehmen eine Mauer gegen verschiedene Angriffsszenarien. Diese Mauer besteht zum einen aus Regeln und der Bewusstseinsbildung der MitarbeiterInnen zur Notwendigkeit der Einhaltung dieser (COMPLIANCE). Zum anderen gibt es weitere präventive Maßnahmen wie unter anderem die Evaluierung der IT-Sicherheit und der Gebäudesicherheit. Die Gegenseite wird versuchen, einen Weg über diese Mauer zu finden. Und wir werden wiederum diese Mauer erhöhen, um dies zu erschweren. Unser Ansatz ist, dass nur ein ganzheitlich und dynamisch betrachteter Sicherheitsaspekt für ein Unternehmen ein Höchstmaß an Sicherheit bringen kann. Denn was bringt es, wenn durch Handlungsanweisungen, Verhaltenskodizes und entsprechende Schulungen korruptes oder nicht regelkonformes Verhalten von Mitarbeiterinneneingeschränkt wird, aber z. B. das IT-System über große Schwachstellen verfügt.

  • Was entgegnen Sie, wenn ein Kritiker meint, dass man eine Firma nicht auf Misstrauen aufbauen kann (Stichwort fingierte Geschäftsanbahnungen etc.)

Fehlverhalten aufzuklären und Täter zu überführen, ist bedeutend schwieriger und auch weit kostenintensiver als Präventivmaßnahmen zu setzen. Ein verursachter Schaden übersteigt bei der finanziellen Komponente die Kosten gegenüber präventiv zu setzenden Maßnahmen um ein Vielfaches. Zu erwähnen seien auch ein mit einem Schadensfall einhergehender, möglicher Reputationsverlust, etwaige Schadenersatzklagen und/oder strafrechtliche Konsequenzen. Reagieren ist im Bereich der Sicherheit immer teurer als agieren. Werden Mitarbeiter bei der Einführung eingebunden und über die Sinnhaftigkeit unterschiedlicher Sicherheitsmaßnahmen in Kenntnis gesetzt, kann der Beigeschmack des „Misstrauens“ vermieden werden. Mitarbeiterschulungen, die richtige Kommunikation und ein richtungsweisendes Vorangehen der Unternehmensleitung, führen zu Akzeptanz sowie Einhaltung der Gesetze, Richtlinien und Maßnahmen.

  • Hätten Sie mir 5 Punkte, die jeder bei sich in der Firma bedenken/checken sollte?

Eine allgemein formulierte Checkliste gibt es nicht, da jedes Unternehmen seine Schwerpunkte individuell setzt und diese dementsprechend von uns in maßgeschneiderten Maßnahmen, wie z. B. einem CMS festgehalten werden.

Einige strategische Überlegungen sollten aber generell sein:

  1. Verabschieden Sie sich von den Gedanken „bei mir bzw. in meinem Unternehmen passiert nichts“. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass JEDES Unternehmen in irgendeiner Form bereits Opfer von Wirtschaftskriminalität ist oder war.
  2. Zurückkommend auf eine vorige Frage. Die Definition, was für ein Unternehmen ein gerade noch akzeptables „Kavaliersdelikt“ ist, obliegt jedem Unternehmer selbst. Ziehen Sie die Grenze sehr eng, denn auch die Summe an sogenannten „Kavaliersdelikten“ kann einen enormen wirtschaftlichen Schaden verursachen.
  3. Expansionsphilosophie ist zumeist immer noch deutlich wichtiger als Sicherheitsphilosophie – dies ist zu überdenken.
  4. Halten Sie sich folgenden Grundsatz vor Augen: bequem ist unsicher und unbequem ist sicher!
  5. Investieren Sie in die Implementierung und eventuell Zertifizierung eines Compliance Management Systems sowie weiterer präventiver Sicherheitsmaßnahmen. Sollte ein Schadensfall auftreten, ziehen Sie für die Aufklärung dafür legitimierte und ausgebildete Experten heran. Die Wiener Berufsdetektive sind in diesem Fall der Partner für die Wiener Wirtschaft.